Nachruf auf Walter Hermann

Nachruf auf Walter HermannDen folgenden Nachruf auf Walter Hermann habe ich im Archiv der Martin-Luther-Schule gefunden. Da man leider den fotokopierten Beitrag aus der Oberhessichen Presse nicht optimal lesen kann, habe ich das eingescannte Faksimile (siehe Abbildung rechts) einfach nochmal abgeschrieben:

Walter Hermann †

In den Morgenstunden des 18. Januar 1976 verstarb in Marburg Studiendirektor Walter Hermann, der sich in den 25 Jahren (1948 – 1973) seiner beruflichen Tätigkeit an der Martin-Luther-Schule in Marburg zum guten Geist dieser Schule und zum getreuen Ekkehard des jeweiligen Schulleiters entwickelte, ohne dabei den herzlichen Kontakt zum Kollegium und dessen Vertrauen zu verlieren. Daß Studiendirektor Hermann diese schwierige Vermittlerstellung mit soviel Takt und entsprechendem Erfolg bewältigen konnte, setzte eine integere, selbstlose, nur der Sache verpflichtete Grundhaltung, menschliche Wärme und eine sachliche und fachliche Beschlagenheit voraus, die er in solchem Maße besaß, daß er ohne jede Schwierigkeit auch in der Zeit der unbesetzten Schulleiterstelle fast ein Jahr lang die Martin-Luther-Schule allein leiten konnte. Dabei war er nicht nur bereit, jedes notwendige Arbeitsmaß ohne Murren zu übernehmen, sondern pflegte bei Schwierigkeiten den schwersten Brocken sich selbst aufzuladen.

Das Verantwortungsbewußtsein und die Verantwortungsfreudigkeit für alle Belange der Schule und auf allen Sektoren ihres Betriebes verließen ihn eigentlich nie, sei es, daß er sich um Vertretungen oder Aufsichten, um Disziplinlosigkeiten oder Schülersorgen, Lehreranliegen oder Verwaltungsaufgaben während der Schulzeit kümmerte, oder sei es, daß er sich beinahe täglich noch ein Arbeitspäckchen mit nach Hause nahm, um in späten Abendstunden die Vorbereitungen nicht nur für seinen Unterricht, sondern auch für den reibungslosen Ablauf des Schullebens am folgenden Tage vorausschauend zu durchdenken. Menschen mit solchem Pflichtgefühl sind selten geworden.

Die Martin-Luther-Schule muß dem Kriegsschicksal dankbar sein, daß es diesen Mann von Thüringen hierher verschlug. Auch er selbst wird zu der Feststellung gekommen sein, daß die letzten 20 Jahre für ihn die ersten 40 entschädigen konnten, in welchen sich auf seinem Lebenswege manches unerwartete und unverschuldete Hindernis aufgetürmt hatte.

Das Kollegium der Martin-LutherSchule sah in Walter Hermann die Verkörperung jenes preußischen Beamtentyps, vorbildlich durch Sauberkeit der Verwaltung, Klarheit, Sparsamkeit, Rechtschaffenheit und Treue. Man hätte ihm noch einige wohlverdiente Ruhestandsjahre im Kreise der wachsenden Familie gegönnt. O. K.

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