Verabschiedung von Dr. Walter Arend

Jahrbuch der MLS von 1968/69Aus dem Jahrbuch der MLS von 1969:

Mit dem Ausscheiden von Dr. Walter Arend aus dem Lehrerkollegium aufgrund seiner Pensionierung verliert die Martin-Luther-Schule einen ihrer wissenschaftlich und pädagogisch, aber auch menschlich profiliertesten Lehrer. Die Spannbreite seiner geistigen Interessen kommt zwar in der Vielzahl seiner Unterrichtsfächer (Griechisch, Latein, Geschichte, Deutsch und Leibesübungen) deutlich zum Vorschein, aber doch nicht erschöpfend. Man muß schon, sei es als Schüler oder sei es als Kollege, lange Jahre mit Dr. Arend vertrauten Umgang gehabt haben, um eine rechte Vorstellung von seinen wissenschaftlichen Fähigkeiten sowie der Reichweite und Tiefgründigkeit seiner Kenntnisse zu gewinnen. Im Lateinunterricht ein scharfsinniger und sprachkundiger Interpret und ein begeisterter Deuter der Antike, in der folgenden Turnstunde ein hitziger Fußballspieler, der sich inmitten der um viele Jahrzehnte jüngeren Mitspieler durchaus zu behaupten weiß! Ein verständnisvoller Ausbilder der Referendare und ein trefflicher Gärtner und Bastler! Ein allezeit hilfsbereiter Kollege und das darf wohl auch an dieser Stelle gesagt werden ein fürsorglicher Gatte und Vater! Damit ist die Vielfalt der Gaben und Neigungen nur angedeutet. Bewunderung verdient die zuweilen bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit reichende Hingabe an eine einmal gewählte Aufgabe oder eine obliegende Pflicht.

Dank seiner Energie brachte Dr. Arend es fertig, noch literarisch tätig zu sein. Davon legt in erster Linie Zeugnis ab ein voluminöses wissenschaftliches Werk von allgemein anerkanntem Rang, sein 912 Seiten umfassendes Quellenwerk. Wieviele Jahre, Monate, Tage und sicher auch Nächte mag Dr. Arend diesem Werk gewidmet haben!

Was aber alle Lehrer und Schüler an Dr. Arend in besonderem Maße beeindruckte, ja was ihn zu einem ungewöhnlich beliebten und geschätzten Lehrer und Kollegen gemacht hat, das entsprang seiner warmen Menschlichkeit, seinem launigen Humor. Dr. Arend verstand es nicht nur, seine Unterrichtsstunden mit erheiternden Bemerkungen zu würzen, auch bei allen geselligen Veranstaltungen des Lehrerkollegiums war er eine nie versiegende Quelle echten Frohsinns und unbeschwerter Heiterkeit.

Dr. Arend hat es in seiner Jugend nicht leicht gehabt, die Jahre seines Studiums waren hart. Er hat es zur Genüge an sich erfahren, was arbeiten heißt, und was es bedeutet, sich in seinen materiellen Ansprüchen zu bescheiden. Jetzt winkt ihm ein besinnlicher und behaglicher Ruhestand im neuen eigenen Häuschen. Dr. Arend hat sich bei der Abschiedsfeier gegenüber der Versicherung, daß wir ihn nie vergessen würden, skeptisch geäußert. Er wird sich eines besseren belehren lassen müssen, ganz gleich, wann und wo er mit ehemaligen Schülern oder Kollegen zusammentreffen wird. Er bleibt für uns alle, die wir mit ihm lange gemeinsame Jahre an der Martin Luther Schule verbracht haben, eine markante und liebenswerte Gestalt, die man einfach nicht vergessen kann, weil sie sich dem Gedächtnis unverlierbar eingeprägt hat.

Dr. Gustav Heuser

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